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Reisetagebuch
Uschgorod, 27. August 2010

Nach einer einenhalb monatigen Reise durch Nord- und Mitteleuropa bin ich nun in Uschgorod angekommen und versuche mir die russische Sprache anzueignen von der ich bisher noch gar nichts behersche.

Nach dem ersten Richtigen Grenzübergang, bei dem wir allerdings mehr oder weniger nur durchgewunken wurden kam ich in Uschgorod an. Dort erwartete mich auch schon Katja. Die Kontaktperson vor Ort. Mit dabei hatte sie Galina meine Gastmutter, die kein Wort Deutsch oder Englisch kann, aber super lieb ist. So gingen wir gleich zu ihrer Wohnung, die sich in einem ziemlich alten riesigen Block befindet. Es hat nur ein Zimmer, eine Küche, ein Bad, und ein kleines Wohnzimmer. Kurz über den Daumen gerechnet befinden sich 120 solcher Wohnungen in dem Gebäude. Ich bekam das Zimmer und Galina schläft während dieser Zeit auf der Couch. Mein Bett ist ein Feldbett und fliessend Wasser gibt’s nur während den Essenszeiten. So wurde ich auch gleich mit einheimischem Essen bekocht, von dem ich wirklich positiv überrascht wurde.

Am nächsten Tag war auch schon mein erster Schultag, Galina zeigte mir den Weg zur Universität, wo die Schule Stadtfindet. Unterwegs muss man ein wenig aufpassen dass man nicht über all die Löcher in den Strassen stolpert. Dort lernte ich Ludmilla meine Lehrerin kenne. Diese spricht ebenfalls kein Deutsch oder Englisch und alle Unterlagen sind nur in Russisch. Nach vier Stunden Brummte mir der Schädel schon ganz schön.

Dienstag den 24. August war Unabhängigkeitstag der Ukraine. Von diesem war allerdings nicht viel zu spüren. Kein Patriotisches getue wie man es in der Schweiz antrifft. Der Couchsurfer mit dem ich mich am Abend traf, meinte zwar es habe heute besonders viele Leute auf der Strasse und alle Bars seien voll, aber mir ist kein grosser Unterschied zu den anderen Tagen aufgefallen. Auch hatten die meisten Privaten Geschäfte offen. Am Abend gab es aufgrund der Waldbrand Gefahr (so vermuteten wir zumindest) auch kein Feuerwerk, wie in den anderen Jahren.

Mittwochs hatten fand der Unterricht bei meiner Gastmutter statt, daher in der Universität irgendein Empfang des Stadtpräsidenten stattfand. Galina liess eine Kanne Kaffee stehen, als sie zur Arbeit ging, und meinte ich solle Ludmilla davon anbieten. Dies verwirrte mich ein weinig, daher er sowieso kalt war als die Lehrerin eintraf. Als sie da war schlug ich vor, wir könnten es nochmals erhitzten, sie meinte allerdings es sei normal ihn kalt zu trinken, und fragte nur nach dem Zucker.

Am Freitag versuchten wir das Problem mit meinem Pass zu Lössen. Eigentlich wäre es mein Plan gewesen, nach dem Sprachaufenthalt in Uschgorod nach Russland zu reissen, und bei einer Stiftung in Tarussa zu Arbeiten. Tarussa ist ein kleiner Ort mit ungefähr 10`000 Einwohner ca. 150 Kilometer südlich von Moskau. Dafür brauche ich allerdings ein russisches Visum. Daher Russland seine Visen nur im Heimatland der Person verteilt, die gedenkt einzureissen, müsste mein Pass in die Schweiz. Der Lieferservice hat allerdings unser Brief den wir mit verschiedenen Papieren füllten, damit es weniger auffällt aufgemacht und durchsucht, daher es verboten ist Geld und Pässe herumzuschicken. Hmm… so bleibt also mein Pass in der Ukraine und ich bekomme kein Visa. Nach meinem Aufenthalt hier zurück in die Schweiz zu Reisen um das Visa zu beantragen dauert mir zu lange daher ich nicht wirklich Lust auf den russischen Winter habe. Na ja ich lass mir was einfallen was ich danach machen werde.

Vielleicht noch ein paar Worte zu Uschgorod. Es ist eine kleine Ukrainische Stadt (120‘000 Einwohner) die sich direkt an der Grenze zur Slowakei befindet. So ist es auch ein Multikultureller flecken, es wird Slowakisch, Ungarisch, Polnisch, Rumänisch, Ukrainisch und Russisch gesprochen, und die meisten können auch wenigstens einige Brocken all dieser Sprachen. Eine genauso vielfältige Geschichte hat die Stadt. Sie war unter Italienischer, Tschechoslowakischer, Ungarischer und Russischer Herrschaft. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war die Gegend auch für einen Tag Unabhängig. Alle Bäume sind im unteren Meter des Stammes Weiss gestrichen, diese werden jeden Frühling nachgestrichen. Wie mir gesagt wurde werden sie so Desinfiziert und gegen Krankheiten und Parasiten geschützt. Lustig find ich auch dass die einte Kirchenuhr ständig auf 18 vor 12 steht.

Ach ja, ich habe auch schon mein Lieblingskaffee gefunden. Dies befindet sich in einem Zelt dass auf einer alten Mauer steht. Geschmückt ist es mit der typischen Psytrance Dekoration und auch dementsprechende Musik wird gespielt.

Somit beste Grüsse aus Uschgorod

Uschgorod, 30. August 2010

Samstag besuchte ich (wiedermal) eine Ruine. Diese liegt in Nevits`ke etwa 15 Kilometer Nördlich von Uschgorod. Nach einer Bussfahrt führte der Weg auf einem Hügel, in einen riesigen Wald, in dem ich mich prompt verlief. So lief ich eine geschlagene Stunde durch den Buchenwald, bis ich endlich auf einen anderen Weg stiess dessen Richtung ungefähr die des Rückwegs sein könnte. Glücklicher weise führte dieser auch zurück, wo ich die Ruine fand. Aber vor der Burgruine befindet sich erst mal die Bauruine eines Hotels. Dieses fasst fertige Gebäude verfällt seit etwas über einem Jahr, daher es Unstimmigkeiten zwischen dem Bürgermeister und dem Investor gibt. Die Burgruine war auch sehr Spannend vor allem daher man auf den Überresten rumklettern konnte, und nichts abgesperrt war.
Am Fuss des Hügels setzte ich mich in ein Restaurant und bestellte mit Müh und Not eine Pilzsuppe, eigentlich wollte ich ja Tomatensuppe, aber diese gibt es hier wirklich nirgends. Als ich fragte wie oft die Busse zurück fahren, meinte die Servierdame, nicht so Oft, und rief mir ein Taxi. Der Taxifahrer und sein alter Lada brachten mich für 40 Hrywnja (4 Euro) zurück nach Uschgorod. In dem Gefährt konnte man sich nicht angurten und der Fahrer raste mit 100 Km/h im Slalom über die Strasse. Wieso im Slalom? Um all den Schlaglöcher auszuweichen. Besonders sicher fühlte ich mich in dem Gefährt ja nicht. Katja meinte die Schlaglöcher hätten auch etwas Gutes: Es gibt keine Unfälle wegen eingeschlafenen Fahrer :-).
Abends setzte ich mich in meine hiesiges Lieblingskaffee wo ich auf drei Junge einheimische traf. Als ich mich auf den Heimweg machen wollte, meinten sie: ich sei total verrückt um diese Zeit laufen zu wollen, dies sei viel zu gefährlich und „this is not europe man!“. Nun sie jagten mir mit all ihren schauder Geschichten doch ein wenig Angst ein. Also riefen sie für mich ein Taxi. Als wir auf diese warteten, trafen wir noch einen Kumpel von ihnen. Er begrüsste alle Männer, mich inklusive den er vorher noch nie gesehen hat, und die Frau wurde nur mit einem Ganzkörperscan gewürdigt. Auch als wir dort warteten und die Natascha lachte, sah der Mann nebenan abschätzend herüber und meinte „Ti Glupaja“ was „bist du dumm“ bedeutet. Anscheinend muss man hier immer ein hartes Auftreten haben um respektiert zu werden.
Sonntags besuchte ich mit Katja Mutschachewo. Die zweitgrösste Stadt des Oblast Transkarpartien ist meiner Meinung nach weit Schöner als Uschgorod (die grösste Stadt und der Haubtort). Es gibt ein ziemlich grosses Altstadtzentrum mit sehr gut erhaltenen Jugendstielbauten und ein grosses Schloss auf einem noch viel grösseren künstlichen errichteten Hügel. (Die armen Leibeigenen die diesen aufschütten mussten) In dem Schloss befand sich gerade ein Mittelalter Folklore Festival. Bei den Gesprächen mit Katja (der einzigen Person die hier Deutsch kann) fand ich auch heraus das es im Russischen kein Wort den Beruf Landwirt gibt, und die Bezeichnung Bauer ist ziemlich beleidigend, und bedeutet nach Wörterbuch „nicht Bürger“ oder eben „Leibeigener“. Es gibt übrigens auch kein Wort für Geschäftsmann, also hat man einfach die Wörter aus dem Englischen Buissnesman und Farmer importiert. Ist schon interessant wie sich die verschiedenen Sprachen entwickeln.

Uschgorod, 2. September 2010

Am Dienstag Kochte ich für meine Gastumtter und ihren Freund Älpnermakronen, und die beiden konnten kaum mehr aufhören das Essen zu loben.
Am Mittwoch, 1. September, war Tag der Bildung, und alle Schulen starteten mit dem Unterricht. Nun bin ich nicht mehr der einzige in der Universität. Am Morgen vielen mir all die Schüler mit den Schuluniformen auf, aber diese Tragen sie nicht ständig, nur am Anfang und am Ende des Schuljahres. Nach der Schule traf ich mich mit Katja, in einem Kaffee. Wir tauschten Neuigkeiten bezüglich des Visa‘s und des weiteren Verlaufs meines Aufenthaltes hier aus. Sie erzählte mir das der erste September ein Feiertag sei, an dem alle Schüler „feiern“ dass sie wieder in die Schule dürfen. Tatsächlich hatte es schon am frühen Nachmittag einige ziemlich kaputte Gestallte sowie lachende, tanzende und stolpernde Junge Damen. Später zeigte sie mir, eine Fastfood Bude, in der ihre Freude arbeiten, die gerade damit Beschäftigt wahren Cognac zu trinken der aus einer Sangria Flasche floss. Wir schlossen uns ihnen an. Katja meinte in dieser Bude könne ich sicher sein dass ich kein Katze oder Hundefleisch bekomme, wie in den Anderen ;-). Nun unser Zustand näherte sich langsam demjenigen der Schüler im Kaffee an. Als ich abends nach Hause kam, war auch Galina angetrunken, sie meinte ebenfalls heute sei Schulstart und der soll gefeiert werden. Der erste September ist wirklich ein lustiger Tag in der Ukraine :-P

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Urs
Sprachkurs in Uschgorod- Sommer 2010

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