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| Reisetagebuch |
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Ich bin nun seit drei Tagen in Bischkek. Gestern hiess es, alle Schweizer muessten ausreisen. Eigentlich waren zwei Wochen Sprachschule in Bischkek geplant gewesen, aber ich habe nun mit Kathrin vom Kindergarten in Ak Suu gesprochen und ich werde am Freitagabend mit ihr gemeinsam nach Ak Suu fahren. Ich konnte mich lange nicht entscheiden, ob ich heimfliegen sollte, denke aber, dass ich so eine gute Entscheidung getroffen habe.
Bischkek gefaellt mir gut, ich denke aber, dass ich mich auf dem Land wohler fuehlen werde. Ich bin noch etwas ueberfordert mit den vielen Eigenheiten des kirigischen Lebens, aber es gefaellt mir ganz gut. Meine Gastfamilie ist sehr nett, sprechen aber nur Russisch, sodass ich nur Bruchteile verstehe. Der Russischunterricht macht mir sehr Spass und ich verstehe mich blendend mit Maya der Russischlehrerin. |
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Ich bin in der Nacht auf Samstag in Ak suu bei Karakol angekommen.
Ak Suu ist ein Dorf mit ca 8000 Einwohnern. Hier auf dem Land ist alles im Vergleich zur Hauptstadt unglaublich veraltet und rueckstaendig. Die meisten Haeuser haben keine Toilette im Haus, sondern ein Plumpsklo im Garten. In der Praktikantenwohnung, in der ich mit Erika und Andrea (beide auch aus der SChweiz) wohne, gibt es eine Dusche mit sporadisch warmem Wasser und eine Toilette, die meistens funktioniert. Fliessendes Wasser gibt es meistens, ausser abends etwa 3 Stunden lang. Der Strom geht in der Regel auch...
Neben der Praktikantenwohnung liegt der Hof der Familie, die den heilpaedagogischen Kindergarten aufgebaut hat. Kathrin ist Deutsche, ihr Mann Arnal Uigure. Sie haben drei Kinder. Laura, die aelteste (7) ist geistig behindert. Die andren beiden Maedchen sind 5 und 2. Auf dem Hof gibt es Schafe, Ziegen, Esel, Pferde, Hunde und Huehner.
Eine von uns drei Praktikantinnen hilft abwechslungsweise nachmittags bei der Betreuung von Laura. Die anderen beiden arbeiten jeweils morgens bis 13 Uhr im Kindergarten, der ich im Dorfkern befindet. Es hat sowohl geistig, als auch koerperlich behinderte Kinder, aber auch gesunde. Ich war heute morgen das erste mal dort und habe Albina, einer kirgisischen Betreuerin, geholfen, mit einigen Kindern Zahlen zu lernen. Da ich aber mit meinem Russisch noch nicht so weit bin, bin ich etwas an meine Grenzen gekommen. Einerseits bin ich ungeuebt im Umgang mit behinderten Kindern, anderseits verstehe ich nur Bruchstuecke, von dem, was man mir sagt. Aber die Betreuerinnen sind sehr nett zu mir und so denke ich, dass ich mich schon irgendwie einleben werde. Ich habe mich lange mit einem Maedchen beschaeftigt, das sowohl geistig, als auch koerperlich behindrt ist und dazu noch an Fischhaut leidet. Es ist sehr hart, mitansehen zu muessen, dass die Moeglichkeiten, ihr zu helfen, hier in der kirgisischen Povinz sehr beschraenkt sind.
Am Sonntag sind wir mit der ganzen Familie an den Issyk Kyl See gefahren, der etwa 20 km vom Dorf entfernt ist. Es ist wahnsinnig schoen dort. Der See liegt auf 1600 Meter, dementsprechend haben wir uns trotz Sonnencreme etwas Sonnenbrand eingeholt. Der See erinnert mehr an ein Meer (ist auch leicht salzig). Direkt neben uns haben Schafe geweidet, auf der anderen Seite waren etwa 30 Pferde mit ihren Fohlen, die dort weideten.
Die Landschaft ist wunderschoen. Die unmittelbar sichtbaren Berge sind knapp 5500 Meter hoch. Dahinter Richtung China erstreckt sich das Tien Schan Gebirge, wo die hochste Erhebung etwa 7500 Meter betraegt.
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Seit 10 Tagen herrscht tagsueber bruetende Hitze, das normale Wetter fuer diese Jahreszeit. So oft es moeglich ist, versuchen wir an den Strand zu fahren. Nur leider ist der Strand, der mit den oeffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist, nicht annaehernd so schoen, wie die einsamen Straende, die man nur per Auto erreicht.
Mittlerweile hab ich mich an beinahe alles gewoehnt, auch daran, dass man mitunter eine Stunde stehend im vollen Bus wartet, bis er abfaehrt, weil der Fahrer der Meinung ist, er habe noch zu wenig Geld eingenommen. Die Busfahrten sind sowieso ein Abenteuer fuer sich. Die kleinen Marshrutkas (Kleinbusse) sind schnell und zuverlaessig und auch einigermassen funktiontuechtig. Amuesant allrdings sind die grossen sowjetischen Ungetueme, die nur funktionieren, wenn der Fahrer von Zeit zu Zeit wieder aussteigt und etwas rumschraubt. Aber wenn ich etwas hier gelernt habe, dann ist es Gelassenheit.
Da es so heiss ist und sehr viel Wasser fuer die Bewaessrung der Felder gebraucht wird, haben wir nun nur noch gelegentlich fliessend Wasser, aber auch da gibt es einige Tricks. Bloed nur, wenn ich von Joggen zurueckkomme und nirgends Wasser aufzutreiben ist.
Zweimal pro Woche fahren wir nach Karakol zum Russischunterricht bei einer aelteren Frau. Ihre Tochter, die geichalt ist wie ich, hat ein Jahr in Deutschland als Au Pair gelebt. Sie nimmt uns manchmal mit, um uns die Gegend zu zeigen. Seit zwei Wochen versuche ich nun auch, mein Visa zu verlaengern. Es ist ein wahrer buerokratischer Spiessrutenlauf. Waere ich bestechlich, haette ich wohl schon laengst eins gekriegt. Man kann sich kaum eine Vorstellung davon machen, wie sehr wir schikaniert werden, nur um herauszufinden, ob wir moeglicherweise Schmiergelder zahlen. Aber da hier alles mit Schmiergeldern funktioniert, verwundert das auch nicht.
Am Wochenende haben wir mit Kathrin und der ganzen Familie einen Ausflug in die Berge gemacht. Mit dem Jeep haben wie einen unbefestigten Pass ueberquert und haben nach einer 3 stuendigen Fahrt durch wunderschoene Bergtaeler ein Picknick ganz in der Naehe der kasachischen Grenze gemacht. Dort befinden sich auf 2500 bis 3000 Metern die Sommerweiden der Pferde und Schafe. Ich habe noch nie soviele Pferde aufs Mal gesehen. Es tummeln sich mehrere hundert Pferde frei auf den Bergwiesen, dazwischen noch mehr Schafe. Es war wunderschoen. Die Hirten leben die Sommermonate ueber in Jurten, gegen Mitte September gehen sie in die Taeler zueruck und zwar bevor die Paesse zugeschneit sind und mit den Tieren kein Weg zurueck gefunden werden kann. Erika und ich sind zu einer Hirtenfamilie gegangen, welche uns Kymis angeboten haben. Kymis ist Stutenmilch, die in schwarzen Schlaeuchen in der Sonne zum gaeren gebracht wurde. Es schmeckt ziemlich bitter und ist leicht alkoholisch. Innert kuerzester Zeit wurden wir von einem Gewitter ueberrascht und so fuhren wir wieder ins Tal, wo uns strahlender Sonnenschein erwartete...
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Seit 10 Tagen bin ich nun ohne gueltiges Visa und mein Pass befindet sich auf dem Migrationsamt... Das ist nicht sehr toll, aber so ist nun mal die kirgisische Buerokratie, bzw. Anarchie. Die Strategie besteht darin, fast taeglich dort anzurufen und darauf zu hoffen, dass sich bald jemand anschicken wird, die Sache in die Haende zu nehmen. Solche Dinge muss man gelassen nehmen...
Letztes Wochenende haben Erika und ich uns morgens um 5 Uhr mit dem Taxi in Ak Suu abholen lassen und sind nach Ananjewo gefahren, einem Dorf, das sich am Nordufer des Sees befindet. Die 95minuetige Fahrt im Mercedes kostete ca. 30 Franken, was etwas mehr als dem halben Monatslohn einer Kindergaertnerin entspricht. (Zum Vergleich, die Rueckfahrt mit dem Bus kostete etwa 1.30 Franken). In der Naehe von Ananjewo befindet sich das NABU Artenschutzzentrum fuer Schneeleoparden und Steinadler. Es ist oeffentlich nicht zugaenglich. Da Katrin aber die Leute kennt, die sich um die Anlage kuemmern, konnten wir einen Termin ausmachen und wurden im Dorf abgeholt. Mit dem Auto fuhren wir etwa eine Stunde in die Berge, wo wir die Schneeleoparden bestaunen konnten. In einem riesigen Gehege wohnen 7 Schneeleoparden, die allesamt aus den Faengen von Wilderern gerettet wurden und teilweise verstuemmelte Beine haben. Victor, unser Fuehrer, meinte, dass in der Wildnis nur noch wenige hundert Schneeleoparden leben. Die wenigen, die noch uebrig sind, sind stark bedroht, denn die Felle werden in der benachbarten chinesischen Provinz fuer immense Preise verkauft. Im Artenschutzzentrum leben auch zwei verletzte Steinadler. Wir beschlossen dann, den Weg zurueck ins Dorf zu Fuss zurueckzulegen. Wir hatten aber die Strecke massiv unterschaetzt und waren stundenlang unterwegs, wobei wir noch von einem Gewitter ueberrascht wurden. Schliesslich trafen wir auf eine ukrainische Bauernfamilie, die uns mit dem Pferdewagen ins Dorf mitnahm, wobei sich aber herausstellte, dass der Mann betrunken war und die Frau vollkommen verwirrt. Wir amuesierten uns bestens und kamen irgendwann im Dorf an.
Letzte Woche haben wir mit Arnal und den drei Kindern einen Ausflug auf den Arashan Pass unternommen, der sich oberhalb von Ak Suu befindet. Mit dem Jeep fuhren wir eine an mehreren Stellen beinahe unpassierbare Strasse hoch. Auf dem Arashan befinden sich die beruehmten heissen Quellen, die besonders in der Sowjetzeit unzaehlige Touristen anlockten. Auch heute noch gibt es viele Touristen dort, aber die Anlagen sind veraltet. Arnal hat dort die Mehrzahl seiner Pferde auf der Sommerweide in der Obhut eines Hirten. In den heissen Quellen haben wir auch gebadet, aber fuer meinen Geschmack war es viel zu heiss. Auf der Rueckfahrt haben wir eine Wiese voller Edelweise gesehen (auf Russisch heissen sie auch Edelweis). Sie sind hier weder bedroht, noch selten. Obwohl die Schweiz so beruehmt ist fuer Edelweise, habe ich das erste Mal eine solche Blume in Kirgistan gesehen...
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Nun ist schon ein Drittel meines Kirgistanaufenthaltes vorbei...
In den letzten Wochen hat es einige Wechsel gegeben. Beide Praktikantinnen aus der Schweiz sind abgereist, ich bin jetzt alleine in der Wohnung, was ein bisschen langweilig ist. Dafuer sind zwei Praktikanten aus Deutschland gekommen, beides Sonderpaedagogen, die bei der Familie auf dem Hof wohnen. Seit einer Woche ist der Kindergarten geschlossen, dafuer machen wir nun den ganzen August lang Renovationen im Kindergarten (streichen, putzen usw.)
Am vergangengen Wochenende habe ich mit Erika, ihrem Freund und Andrea einen letzten gemeinsamen Ausflug unternommen. Wir haben uns einer Gruppe von drei irischen Touristinnen angeschlossen, mit denen wir gemeinsam einen Bergfuehrer fuer drei Tage gebucht haben. Am Freitagmorgen sind wir bei stroemendem Regen vollgepackt mit Zelten, Schlafsaecken, Matten, Essen fuer drei Tage und sehr warmen Kleidern durchs Karakol Valley losgewandert. Nach einem 6stuendigen Aufstieg auf 2700 Meter haben wir in einem Wald die Zelte aufgeschlagen und dort uebernachtet. Es hat beinahe pausenlos geregnet... Am naechsten Morgen wollten wir sehr frueh los, aber weil es in Stroemen regnete, wollte unser Bergfuehrer noch einige Stunden abwarten. Um zehn Uhr konnten wir endlich los, weil der Regen schwaecher geworden war. Wir stiegen zwei Stunden eine sehr steile Felswand hinauf und erreichten schliesslich den auf 3500 Meter gelegenen Bergsee Ala Kul. Die Kulisse war trotz Wolken fantastisch. Der See ist umgeben von 5000 bis 6000 Meter hohen Bergen mit Gletschern. Aus dem geplanten Baden wurde gar nichts, vorallem, weil der Bergfuehrer meinte, die Wassertemperatur betrage knapp 2 Grad. Da wir schon spaet dran waren, mussten wir gleich weiter und erreichten nach weiteren zwei Stunden die Spitze des schneebedeckten Passes auf 3980 Metern. Der Aufstieg war alles andere als einfach, vorallem da wir noch in einen Schneesturm gerieten. Auf der Spitze war es so kalt, dass wir sofort auf der anderen Seite den Abstieg ueber sehr steile Geroell- und Schneefelder wagten und nach weiteren zwei Stunden endlich eine Pause machen konnten, wobei wir sogar urplotzlich von der Sonne angenehm ueberrascht wurden. Danach hatten wir noch eine vierstuendige Wegstrecke vor uns. Die letzten beiden Stunden waren eine Tortur, insbesondere dank des Gewitters und den Fluessen, die wir (natuerlich ohne Bruecke) ueberqueren mussten, wobei zwei von uns (ich nicht!) mitsamt Gepaeck im Fluss ausrutschten. Wir erreichten den Kurort Altyn Arashan (2500 M.u.M) mit der Herberge und den heissen Badequellen irgendwann, als es schon dunkel war. Wir waermten uns im ca. 70 Grad heissen Wasser und schliefen danach wie die Murmeltiere. Am naechsten Morgen schien die Sonne, als waere nichts geschehen und wir machten uns an den vierstuendigen Abstieg nach Ak Suu, der im Vergleich zum Vortag ein wahrer Spaziergang war.
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Letzte Woche wurde mein Geburtstag sehr ausfuehrlich und typisch kirgisisch gefeiert. Waehrend ich am Morgen im Kindergarten in muehseliger Arbeit alte Farbe von broeckelnden Gipswaenden kratzte, bereiteten zwei der vier Kindergaertnerinnen klammheimlich verschiedene kirgisische Gerichte zu, wobei sie knapp 4 Stunden in der Kueche verbrachten. Wir sassen dann fast 3 Stunden am Tisch, es war koestlich. Das Festmahl hat mich umso mehr erstaunt, als seit 10 Tagen Ramadan ist und drei Kindergaertnerinnen Kirgisinnen, also Moslems, sind. Ich wurde im Anschluss noch dazu genoetigt, fuer unzaehlige Fotos zu posieren... Als ich dann irgendwann mehr als satt nach Hause ging, brannte schon ein Feuer im Schaschlik-Grill und es dauerte nicht lange, bis alle moeglichen Freunde meiner "Gastfamilie" auf dem Hof eintrudelten und mindestens ein Dutzend Flaschen Vodka mitbrachten. So feierten wir die halbe Nacht und assen Unmengen an Fleisch (natuerlich vom Schaf, was sonst), auf meinen Wunsch sogar ganz ohne Fett (was absolut nicht typisch ist fuer Kirgistan)... :-)
Am naechsten Morgen machte ich mich mit dem Bus auf die sechstuendige Fahrt nach Bishkek und konnte auch endlich die Landschaft am Nordufer des Sees bei Tageslicht betrachten, was sehr lohnenswert ist. Ich bin nun seit einer Woche in der Hauptstadt und kann mich kaum entscheiden, was ich alles machen moechte. Morgens bin ich jeweils 4 Stunden bei Maya, der Russischlehrerin, im Privatunterricht. Es ist furchtbar anstrengend und treibt mich oft an den Rande des Wahnsinns, bringt mich aber grosse Schritte weiter. Nachmittags, bzw. abends gehe ich in alle moeglichen Museen, zu den Basaren (der Dordoi-Basar ist einer der groessten ganz Mittelasiens - sich nicht zu verirren ist unmoeglich), ins Theater, ins Kino (leider nur Hollywood-Trash) oder mache in den Strassencafes meine Hausaufgaben. Morgen werde ich noch an ein Konzert der staatlichen Philharmonie gehen, die Oper ist momentan leider in Sommerpause. Ich komme mir hier vor wie in Zuerich, aber das liegt daran, dass ich seit mehr als zwei Monaten die Provinz nicht verlassen habe. Als ich naemlich im Juni herkam, war ich mir nicht bewusst, wie stark westlich die Stadt gepraegt ist. Es gibt in Kirgistan kein normales Stadt-Land-Gefaelle, es gibt nur die Hauptstadt Bishkek und alles andere. Bishkek ist ultramodern, alle anderen Staedte die ich bisher gesehen habe, sind nichts anderes als Grosssiedlungen, die genau gleich aussehen, wie mein Dorf Ak Suu. In Karakol beispielsweise gibt es einen einzigen Supermarkt, der das Angebot eines Tante Emma Ladens in der Schweiz hat, alles andere sind winzige Laeden oder Basare. Hier in Bishkek aber gibt es riesige Einkaufszentren, die mindestens das gleiche Angebot fuehren, wie z.b. Coop City in der Schweiz. Fuer kirgisische Verhaeltnisse sind die Preise aber extrem hoch und der durchschnittliche Kirgise vom Land kann sich diese Waren gar nicht leisten. Die Preise fuer Kleider oder Elektronik in den Kaufhaeusern haben westliches Niveau und sind nicht zu vergleichen mit denjenigen, auf den Basaren. Ein Paar Jeans zum Beispiel kostet auf dem Basar 800 Som (d.h. ca. 16 Franken), in einem Kaufhaus mit westlichen Marken aber etwa das vier- bis zehnfache. Wenn man bedenkt, dass eine Lehrerin etwa 1500-2500 Som monatlich verdient, sind diese Preise also jenseits aller Moeglichkeiten der Kirgisen. Es erstaunt mich deshalb nicht, dass die grossen Kaufhaeuser oft verhaeltnismaessig leer sind, ganz im Gegensatz zu den voellig ueberfuellten Basaren.
Auch in Bezug auf das Klima komme ich mir hier vor, wie in einer anderen Welt. Es ist beinahe ohne Nuancen am Tag und in der Nacht gleich heiss, d.h. 35-45 Grad. Nur von ca. 3 oder 4 Uhr in der Frueh bis um 7 ist es einige Grad kuehler. Die Luft ist aber sehr trocken, so dass meistens ertraeglich ist, vor allem dank den vielen Baeumen. (Nicht umsonst geniesst Bishkek den Ruf, die gruenste Stadt der Welt zu sein!)
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Ak Suu, 2. September 2010
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Nachdem wir in den letzten zwei Wochen im Kindergarten noch alles ausgebessert, neu gestrichen und auf Hochglanz poliert haben, wurde am 31. August mit viel Krach und Vodka der Tag der Unabhaengigkeit von der Sowjetunion gefeiert (wir verbrachten ihn in der Sonne doesend und Karten spielend an einem einsamen Strand). Am Tag darauf, also gestern, war ein mindestens genauso wichtiger Tag: Pjerwi Sentjabr, Der erste September, Synonym fuer den grossen Tag des Schulbeginns im ganzen Land, ein Relikt aus der Sowjetunion. (Ganz und gar unpassend nach dem Tag der Unabhaengigkeit, aber egal). Auf der Suche nach tollen Fotoobjekten stellte ich mich deshalb extra fruemorgens an den Strassenrand um die herausgeputzten Schulkinder in Anzug, Krawatte, Kleidern und Roecken (alles schwarz-weiss) zu fotografieren. Ich kam mir vor wie in einem Film aus Sowjetzeiten, als unzaehlige Maedchen und Jungen mit ihren Eltern (auch in Anzug, Krawatte usw.) mit Bluemen in den Haenden zu den Schulen gingen. Die kleinen Maedchen trugen riesige Haarbaender aus Rueschchen und Lackschuhe, es war grandios. Ich traute mich dann aber doch nicht, zu fotografieren, Touristengetue kann ich immer weniger ausstehen. Bei uns im Kindergarten war auch Eroeffnung, aber nur halb so pompoes. Es kamen zwei neue Kinder mit geistiger Behinderung, beide 8 oder 9 Jahre alt, die vorher noch nie eine Bildungsinstitution von innen gesehen haben und entsprechend wenige Sozialkompetenzen haben. Ich freute mich riesig, dass es nach den Renovationsarbeiten endlich wieder losging.
Das Wetter ist nach einer Woche Dauerregen, eisigen Temperaturen (und Schnee bis ca. 2500 Meter) nun wieder heiss und trocken. Ich rechne beinahe taeglich damit, meine Winterkleider auspacken zu muessen, aber wahrscheinlich bin ich zu wetterpessimistisch.
Letzte Wochen hatte ich das Privileg, auf die Jagd mitgehen zu duerfen, was traditionellerweise nur Maennern vorbehalten ist. Es ist nicht direkt so, dass ich mich darum gerissen haette, an dem Blutbad teilzunehmen, aber ich konnte die Einladung nicht abschlagen. :-) Mit dem Jeep sind wir in die Ebene gefahren und dann wurde aus dem fahrenden Wagen bei offenem Fenster mit der Schrotflinte auf Wildtauben geschossen, die auf den Strommasten sassen. Ich durfte dann die Tauben einsammeln. Zuhause haben wir sie gerupft und auf dem Schaschlikgrill gebraten und ich muss zugeben, dass ich selten so schmackhaftes Fleisch gegessen habe.
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Noémie
Labour Service plus in Ak-Suu und St.Petersburg - Sommer 2010 bis Frühling 2011
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